Twitter: Gossip oder Mehrwert?

4 Feb

Nice Tweet!

Seit der Entstehung von Twitter, oder eher seit dem Durchbruch zwei Jahre nach der Entstehung, spaltet Twitter die Meinungen darüber, ob das digitale gezwitscher überhaupt Sinn macht. Die eine Seite findet es lächerlich und verachtet Twitter geradezu (wir erinnern uns an die JBK-Show, bei der Herr Kerner lauthals die Sinnlosigkeit dahinter verbreitet – obwohl er noch nicht einmal getwittert hat), die andere Seite nutzt es 24/7 und streitet alles ab – per Tweet natürlich. Doch wer hat recht, kann überhaupt jemand Recht haben, und wenn ja: wem bringt das schon was? Fragen über frage, die schon fast ins philosophische gehen und so umfangreich werden, dass sie eigentlich niemals beantwortet werden können.

Trotzdem versuche ich mal ein wenig Licht auf beide Seiten zu bringen. Dazu hat mich ein Radiobeitrag des WDRs neulich gebracht, der sich mit dem Nachrichtenwert von Twitter und Co beschäftigt hat. (Ich konnte den Podcast dazu leider nicht mehr finden) Überraschender Weise wurde Twitter hier relativ gut, aber trotzdem mit Vorsicht gewertet. Was zählen Nachrichten auf Twitter?


Ich denke der wesentliche Punkt ist die langfristige Beobachtung un Einschätzung eines Twitteraccounts und den Meldungen. Für Naive Köpfe eine Falle, wer hier aber mit offenen Augen durchgeht und sich mit der Materie beschäftigt, bekommt eine Fülle an wertvollen Informationen. Negativbeispiele gibt es immer, und aufgrund der anonymität des Internets besteht bei online-Diensten natürlich eine erhöhte Gefahr. Beispiele dafür sind Fake-Accounts im Promibereich (beispiel: Britney Spears, Franz Münterfering usw.) oder gehackte Nachrichtenseiten die völligen Schwachsinn verbreiten. Dafür ist es wichtig, hinter die digitalen Fassaden zu blicken, und ein Gespür für die Echtheit von Meldungen zu bekommen. Nicht alles sofort glauben, Hinterfragen ist hier sehr wichtig. Sich auch vernetzt zu informieren kann oft Licht ins Dunkle bringen, oder die Informationen aufwerten. Es dauert, sich eine Liste von Accounts zusammenzustellen, denen man wirklich folgen möchte und von denen man die gewollten Informationen bekommt. So sehr Twitter auch auf Aktualität und Schnelligkeit basiert, ist es ein lanwieriger Prozess sich darin einzufinden.

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Twitter als "Zeitungsjunge"

Die Art, wie Verlage Twitter für die Nachrichtenmeldung nutzen, ist immer dieselbe: Der Tweet besteht aus der kurzen  Headline + Link zur weiterführenden Seite. Diese ist dann die Homepage des Blattes. Beispiele sind hier Blätter wie SpiegelOnline, Handelsblatt, aber auch die Berichterstattung im Irak oder die Topaktuellen Infos zur Flugzeuglandung im Hudson River.Aus dem Angebot der großen Zeitungen und Zeitschriften lässt sich hier für den Nutzer eigentlich schnell ein persönlicher Favorit herausfinden, ggf. auch mehrere, denen man folgt und die täglichen Nachrichten in Tweetform erhält. Wenn man sich darauf einlässt und es nutzt, hat man enorme Vorteile durch die schnelle Verarbeitung der Informationsflut und gezieltem herauspicken der als interessant empfundenen Inhalte.  Auf der anderen Seite bietet diese kurze Form der Nachrichtenausschüttung einen großen Vorteil für die Verlage. Twitter nimmt hier die Form des kleinen Zeitungsjungen an, der früher in der Zeit der Kutschen und Gentlemen die neuesten Nachrichten auf der Straße verteilt hat. Gegen den hatte damals auch niemand was! Betrachtet man Twitter aus dieser Sicht, fallen mir nicht mehr viele Nachteile oder Vorwürfe ein. Dazu passt ein aktuelles Experiment von 5 Journalisten, die sich eine Woche ausschließlich über Twitter und Facebook informieren, und am Ende vergleichen ob sie genauso informiert worden sind, wie ihre Kollegen. Mehr dazu hier.

Nachrichtenaccounts sind jedoch nur ein Teil der vielen Accounts auf Twitter. Prominenten-Accounts hatten wir eben schon kurz, dazu ist nicht viel zu sagen. Wer seinem Idol noch näher sein möchte, hat jetzt die Chance dazu. Von Seiten der Promis sollte eben nur drauf geachtet werden, wer in meinem Namen einen Account führt und meinen Ruf eventuell schadet.

Accounts werden inzwischen auch immer mehr als Jobbörse genutzt, so gibt es zum Beispiel für diverse Branchen Accounts, über die täglich zig Stellenausschreibungen getwittert werden (ich persönlich folge der „PR-Karriere„). Auch in dieser Anwendung sehe ich nix verkehrtes, nur viele Vorteile.

Des Weiteren folge ich natürlich auch Accounts von Freunden und Familienmitgliedern. Allerdings würde ich dieser Art des Folgens keinen hohen Stellenwert geben. Zum Verabreden oder um zu hören wie es jemandem geht, nutzt man wohl eher Mailfunktionen anderer Social-Networks. Jedoch um das Internet zu teilen, dafür eignet sich Twitter wieder perfekt. Kurz den Link kopiert, getweetet und ein paar Minuten später zusammen darüber amüsieren. Hier ist der Faktor „Schnelligkeit“ der Vorteil.

Zusammengefasst ist der Zeitfaktor, den Twitter perfekt unterstützt, das, was für Twitter spricht und den Dienst so erfogreich macht. Nicht viel drumherum, schnell auf 140 zeichen reduziert und ab dafür. So erlebt man das Internet heute, denn es entsteht immer mehr was man sehen, teilen und verstehen möchte. Um mit der Informationsflut, der wir uns freiwillig aussetzen, fertigzuwerden, brauchen wir Twitter. Hier sagen wahrscheinlich einige viele „Ich könnt auch ohne!“. Natürlich hängt unser digitales Leben nicht an Twitter (wohl eher an Google) aber das gezwitscher nebenbei ist inzwischen tiefer in der täglichen Nutzung des Internets verankert, als man glaubt. Ohne nebenbei mal einen „nice Tweet“ zu verfassen, würde dem ein oder anderem sicher schon was fehlen. Bezieht man das ganze jetzt noch auf den Trend des mobilen Internets, bekommt Twitter einen noch höheren Stellenwert. Aber da würde ich nun zu sehr ausschweifen.

Doch, wo ist jetzt die negative Seite?! Natürlich gibt es immer en paar schwarze Schafe, auch im Land der Tweets. Sich alleridngs an denen aufzuhängen und sich daraus eine Meinung zu bilden ist nicht der richtige Weg (nicht wahr Herr Kerner?!). Schlechte Twitteraccounts zeichnen sich daraus ab, dass entweder zu wenig Informationen kommen (in dem Fall stirbt ein Account aus…stört aber im Grunde auch niemanden) oder dass viel zu viele Informationen in Tweetform gepostet werden. Solche Accounts können einem wirklich den ganzen Nutzen von Twitter kaputt machen und sind schon fast als eine Art Spam zu bezeichnen. Es passiert immer mal, dass man solchen Accounts folgt, aber es ist ja leicht sich davon auch wieder zu trennen. Hier muss man allerdings durch, denn vorher kann man nicht wissen wie getweetet wird, und jeder weiß ja dass Probieren über Studieren geht 😉 Welche Art von Tweets wohl am ärgerlichsten und am schädigsten ist, sind Accounts die eben falsche Informationen verbreiten. Sowas gibt es, und man kann da schon sehr in die Irre geführt werden. Dazu gibt es allerdings Charts (im positiven und negativen Sinne) die hier eventuell weiterhelfen. Ansonsten ist es wieder das alte Spiel: Ausprobieren, Erkennen und Einschätzen.

Übrigens interessant für die Privaten Blogger ist eine Studie von Social-Medie-Experte Dan Zarella (hier seine Homepage). Die besagt, dass einem mehr Leute zuhören (folgen) wenn man nicht nur über sich redet (twittert) sondern eben auch informiert und somit einen Mehrwert anbietet. Genau darum geht es bei Twitter – ob beim privaten Gezwitscher oder beim Versuch Tweets auf seriöse Weise zu verbreiten.

https://i2.wp.com/www.352media.com/rantingandraving/CMFiles/Images/twitter-follow-back-final.jpg

Da es hier eher um die Informationsfrage geht, und weniger um die Werbemöglichkeit, gehe ich an dieser Stelle nicht noch auf den Nutzen von Twitter und Co für Unternehmen, Marken und Kampagnen ein. Dazu kommt demnächst sicher noch ein Folgeartikel.

Zusammengefasst sehe ich mehr Nutzen als Unsinn in Twitter und ähnlichen Diensten. Klar liegt das daran, dass ich diese Dienste täglich und umfassend nutze. Jedoch erkennt man dadurch auch den Trend des Wachstums dieser Dienste. Es gibt sicher noch viele Internetnutzer, die sich nicht in die Twitterwelt begeben haben und daurch auch keinen Bezug dazu haben. Denen sei gesagt: Ok, muss man auch nicht. Aber die Entwicklung der Medien und der Medienangebote in der nächsten Zeit, werden sich immer mehr auf Twitter und Co einspielen und daraus neuen Nutzen anbieten. Wer sich dem Zwitschern also noch fern hält, wird in Zukunft immer eindeutigere Gründe bekommen, sich dafür zu öffnen.

Phil

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3 Antworten to “Twitter: Gossip oder Mehrwert?”

  1. Schubladenschaf 7. Februar 2010 um 22:41 #

    Hallo Phil,

    habe gerade einen ähnlichen Artikel dazu geschrieben und bin in dem Zusammenhang auf deinen Beitrag hier gestossen. Ich sehe es auch so, dass Twitter mehr nützlich als unnützlich ist. Habe dazu auch noch ein paar mehr Nutzerbeispiele gesammelt.

    Hast du denn genaue Beispiele, wo Accounts falsche Informationen verbreiten? Oder meinst du nur die Spammer?

    Viele Grüße,
    Jens

    • philinthegap 8. Februar 2010 um 11:48 #

      Hallo Jens,
      schön dass wir derselben Meinung sind 😉 Einen schönen und informativen Text hast Du da zu Twitter zusammengefasst. Sehr gut um Twitter zu verstehen und zu erkennen wofür man den Dienst nutzen kann.

      Zu Deiner Frage: Spamm-Accounts kann man ja relativ schnell entlarven und einfach blocken. Schwerer ist es, zu erkennnen ob ein Account gefaked oder real ist. Ein Beispie aus der Politik ist der Account von Franz Müntefering (gib mal bei Google die Schlagworte „twitter“ und „fake“ ein, dann erscheint der unter den ersten fünf Treffern). Hier muss man eben erstmal darauf kommen, dass der Account nicht echt ist. Stellt sich schnell die Frage ob nicht sehr viel mehr accounts von berühmten Menschen gefaked sind. Im Bereich der (Hollywood-) Stars ist dass wahrscheinlich öfters der Fall.

      Im Informations- und Nachrichtenbereich gibt es ein schwerwiegenderes Beispiel: Ein Account der HuffingtonPost stellte sich im Nachhinein als nicht echt heraus, nachdem während des US-Wahlkampfes Beleidigungen gegen Obama und Wahlaufrufe für McCain gepostet wurden. Sowas bringt dann einen tatsächlichen Schaden für Follower (durch falsche Informationen), Betroffene Personen (Obama in dem Fall) und das Image des Mediums (in dem Fall der Huffington Post) auf.
      Hier sehe ich auch das Problem der Glaubwürdigkeit von Twitter, die von der Contra-Seite angesprochen wird. An solchen Fällen wird sich schnell aufgehangen und behauptet dass die Informationen bei Twitter nichts wert währen. Das es aber tolle Positive Beispiele gibt (Die großen Tageszeitungen zum Beispiel und der Nutzen für die klassischen Medien) wird dann nicht berücksichtigt.

      Ich finde, die Reaktion von Kerner in seiner Show ist ein typisches Beispiel für die Contra-Seite. „Kenn ich nicht, hab EIN EINZIGES schlechtes Beispiel gehört, und finde daher alles doof“. Das ist etwas engstirnig und zu einfach um sich ein wirkliches Bild von Twitter zu machen.

      So sehe ich die Problematik zuzeit. Wobei es für „erfahrene“ Twitterer ja eigentlich keine Problematik gibt. 😉
      Ich hoffe meine Antwort konte Deine Frage beantworten und ein paar Beispiele aufzeigen. Bin gespannt was du in Zukunft noch so dazu verfassen wirst.

      Phil

  2. Schubladenschaf 13. Februar 2010 um 00:56 #

    Hallo Phil,

    etwa späte Antwort, aber besser spät als nie 🙂

    Erstmal Danke für deine ausführliche Erklärung. Kann nun besser verstehen, was du meinst. Ja, das mit den Fakeaccounts ist natürlich ein Problem bei Twitter. Auch wenn ich mir da persönlich bisher relativ wenig Gedanken mache. Die meisten meiner Verfolgten sind meist relativ unberühmt (und nicht wert, gefaked zu werden) oder in irgendeiner Form von einer Webseite oder einem Blog verifiziert. Aber du hast Recht..für die Öffentlichkeit macht es sicherlich nen doofen Eindruck, wenn man diesem üblen Ding Twitter nicht trauen kann. Mal sehen ob es in Zukunft mehr verifizierte Accounts gibt, damit da mehr Vertrauen entsteht.

    Danke nocheinmal für diese lange Antwort!

    LG,
    dat Schubladenschaf

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