Scripted Reality – oder: Bauer sucht Fake

3 Dez

http://dansch.files.wordpress.com/2009/10/schwiegertochtergesucht.png?w=500&h=291

Ich bin ja ein großer Fan von „Bauer sucht Frau“ und dem nicht weniger beschämenden „Schwiegertochter gesucht“! Ich weiß auch nicht warum, es ist einfach so. Wahrscheinlich bin ich süchtig nach Fremdschämen, oder ich fühl mich beim (traurigen) Anblick der Menschen Kandidaten etwas besser in meiner Haut. Ohne es weiter begründen zu wollen, find ich diese Sendungen einfach gut, und werde nun etwas traurig dass man mir erzählen will, dass das alles gestellt ist!!! :-O Was will man mir da einreden?! Gestellt, diese traumhaften Formate mit ihren herzzerreißenden herzerwärmenden zum Erbrechen schönen Stories und Schicksalen?! Das kann und will ich einfach nicht glauben, hmpf!!

Aber jetzt mal im Ernst: Dass da nicht alles so real abläuft, und der ein oder andere Regie-Mensch seine Finger im Spiel hat, überrascht uns wohl kaum. Manche Szenen die dort gezeigt werden, können einfach nicht ohne ein bißchen Nachhilfe entstehen. „Scripted Reality“ nennt sich dieser Trend der neuen (vermeidlichen) Reality-Dokus, und hier ist ein sehr interessanter Artikel, der diesen Trend beschreibt und bewertet. Ich bin mir nicht so sicher was ich davon halten soll, an und für sich kann ich das nicht unterstützen. Das trägt nicht gerade zum Niveau des Fernsehns bei! Allerdings bin ich wie schon am Anfang erwähnt Fan von zumindest zwei der Scripted-Reality-Dokus, also enthalte ich mich (noch).

Der Schlusssatz gefällt mir besonders gut und bringt das „Problem“ schön auf den Punkt: „Dokusoaps wie „Bauer sucht Frau“ oder „Schwiegertochter gesucht“ im Original sind nicht mehr von ihren Parodien bei der ProSieben-Sendung „Switch Reloaded“ zu unterscheiden. Diese Sendungen parodieren sich selbst.“ Der Satz kann übrigens ganz einfach überprüft werden: Einfach mal „Schwiegertochter gesucht“ bei Youtube eingeben – es erscheinen hauptsächlich Switch-Szenen. 😛

Also, nicht lang fackeln, lesen!

Phil

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9 Antworten to “Scripted Reality – oder: Bauer sucht Fake”

  1. Eisbear 3. Dezember 2009 um 22:03 #

    Aaaaaaaaalso lieber Philip.

    Vielleicht beruhigt es dich etwas, wenn ich (als eingefleischter Kenner der Szene 😀 ) dir sage, dass der von dir „beworbene“ Artikel in meinen Augen beinahe unqualifiziert klingt. Ich bestreite dabei nicht, dass bei „Bauer sucht Frau“ und „Schwiegertochter gesucht“ oder auch „DSDS“ eine Redaktion (im weitesten Sinne) ihre Finger im Spiel hat und den Verlauf plant. Aber am Ende des RTL-Tages die Gerichtsshows und Herrn Lenßen über den selben Kamm zu scheren ist doch etwas einfach. Die neu aufkommende Welle an eindeutig gespielten und „geschriebenen“ Reality-Formaten zeigt doch wieder, dass man eine von Schauspielern gemachte Sendung in weniger als 10 Sekunden erkennt. Man muss also ganz genau unterscheiden! Da sind auf der einen Seite die absolut von Schauspielern besetzten, geschriebenen und schlecht gespielten Serien wie Lenßen&Partner oder Barbara Salesch. Auf der anderen Seite haben wir Sendungen, die derart viel Bildmaterial über irgendwelche Tatsächlichen Alltage und Situationen sammeln, dass man aus diesem Material durch die richtige Ausmalung (wie die im Text beschriebene Musik z.B.) ein unterhaltendes Abendprogramm schneidern kann. – Um kurz eigenes Interesse zu bekunden: Ich wäre gern der Mensch der bei den DSDS Einblendungen vorher den Kandidaten die Fragen gestellt hat. „Du bist doch sicher schon mal gemobbt worden oder? … Deine Mutter ist doch schon mal krank gewesen ne? Wie war das so?“ – weiter im Text. Dabei entstehen natürlich auch „Zwischenformate“, also wo diese beiden Kategorien kombiniert werden, wie ich es zB beim Supertalent vermute… aber das weiß ich auch nicht. Auf jeden Fall halte ich diesen Artikel für äußerst undifferenziert. Und nur mal als Denkanstoß: Was glaubst du wäre die Gage für eine Horde derart authentischer Bauern-Darsteller? Würde sich das noch abdecken lassen? Ich glaube, die meißten dieser Geschichten beginnen in der Realität und enden im Schauspiel. Irgendwann gehen immer die Leute aus.

  2. Coco 3. Dezember 2009 um 22:33 #

    Also Phil, ich dachte das hätten wir geklärt…;)

    Ich kann mich Eisbaer nur anschließen.
    StG oder auch BsF sind keinesfalls Scripted Reality. Natürlich wird bereits beim Casting der Männer und auch beim Casting der Frauen darauf geachtet, möglichst schräge Vögel herauszupicken. In der richtigen Kombination Mann/Frau ergeben sich dann einfach Szenen, bei denen man nur noch die Hände über dem Kopf zusammenklatschen mag. Ebenfalls werden aus Richtung der Realisation und Redaktion Situationen provoziert („Ihr geht heute mal ins Schwimmbad“). Anders wäre es aber auch nicht unterhaltend. Teilweise wissen diese Menschen gar nicht, wie man sonst miteinander umgehen sollte. Sie würden von sich aus nichts unternehmen, sondern wahrscheinlich den ganzen Tag zuhause hocken. Da kommt dann aber das Publikumsinteresse in Spiel. Sowas will nunmal niemand sehen! Soweit ich das ganze beurteilen kann, wird aber niemand zu Aktionen gezwungen und es gibt definitiv KEIN Skript.

    Scripted Reality wird aber tatsächlich in eigentlichen DokuSoaps eingesetzt. Ich meine Mitten im Leben wurde versuchwweise mit einem Drehbuch gepimpt (oder es war We Are Family)…Es war ein Erfolg!
    Komplett gescriptete Formate spalten nach wie vor die Zuschauer… Totaler Flop der letzten Zeit: Family Affairs. Großer Erfolg: Die Schulermittler auf RTL.

    Ich denke, solange der Zuschauer theoretisch wissen kann, dass es sich um Scripted handelt, ist das ganze vertretbar und unter Umständen auch erfolgreich!

  3. philinthegap 3. Dezember 2009 um 23:19 #

    Ich sehe das absolut genauso, dass es zwischen den thematisierten Sendungen diverse Unterschiede gibt, und man die Gerichtsshows nicht mit den Landwirte-Dating-Shows vergleichen kann. Aber das tut der Artikel in meinen Augen auch eben nicht. In der Erklärung des Begriffs „Scripted Reality“ wird eine Entwicklung beschrieben, angefangen mit Gerichtsshows, über „Lenßen&Partner“ und dann zu „Bauer sucht Frau“ als für die Prime-Time neu entwickeltes Konzept „Der nächste Schritt ist es, das Genre aus den Kinderschuhen herauszuführen und in der Prime-Time auszuprobieren.“

    In dem Artikel werden die Sendungen also weniger über einen Kamm geschoren, sondern es wird eine Entwicklung des Prinzipes erklärt. Die Stufen der Entwicklung lassen, bzw müssen sich ganz klar unterscheiden. (Schauspiele mit Laiendarstellern, Dokus, Musik-Castings – um es nur grob zu trennen).

    Ich muss Coco noch recht geben, BsF und StG hätte ich weniger in den Vordergrund gestellt, da es bessere Beispiele für „Scripted Reality“ gibt. Die Super Nanny wird aufgegriffen, und der Zwegat. Hier denke ich schon das teilweise stark nach nem Script gearbeitet wird. Bei den Bauern und Schwiegertöchtern finde ich passt der letzte Satz von Eisbear „…die meißten dieser Geschichten beginnen in der Realität und enden im Schauspiel.“

    Zum Schluss noch: Was ich an dem Artikel interessant fand war weniger die Unterstellung von gestellten Inhalten (das war ja nun auch teilweise schon klar), sondern mehr der Trend zu dieser Art von Unterhaltung, und dass die Sendeanstallten da immer mehr drauf setzen. Es ist letztendlich nix neues, die Gerichtsshows gibts schon ewig, aber irgendwie kommt jetzt wieder eine neue Welle in diese Richtung (Bsp: „Family Affairs etc.)

    Bewerten wollte ich erstmal nix, wer es guckt darf sich ja schließlich nicht beschweren 😉

  4. Eisbear 6. Dezember 2009 um 22:13 #

    Tjaaa das sagt ihr so, dass der Trend in diese Richtung geht. Aber hat nicht Pro7 gerade einen großen Batzen dieser Sendungen verbannt und bringt jetzt Mittags wieder Charmed und Desperate Housewifes? …. Jemand sollte ein Excel-Diagramm machen!! 🙂

  5. Coco 7. Dezember 2009 um 09:41 #

    Pro7 bringt aber bald „50 Semester“… Reality! Aber bei dem Inhalt kann das nur gescripted sein. Ich hoffe einfach mal, dass das kein Darsteller mit ernsten Absichten macht.

  6. philinthegap 7. Dezember 2009 um 10:36 #

    @ Eisbear: Stimmt, zurzeit laufen wieder alte Serien. Aber ich befürchte dass das nur für den Übergang ist, bis neue Doku-Soaps gedreht sind.
    Das würde dann auch zu dem passen, was Coco vorhersieht. Was muss ich mir unter „50 Semester“ vorstellen? Eine Serie über Langzeitstudenten, die es einfach mal völlig übertreiben? Oder doch eher was in Richtung Rentner-Soap? 😀

  7. Eisbear 7. Dezember 2009 um 11:20 #

    Wir haben phils blog, wir haben Twitter, wir haben facebook! Lasst uns den Markt manipulieren, indem wir die Menschheit dazu aufrufen Pro7 während der „alten Serien“ laufen zu lassen. Vielleicht schaffen wir es die Einschaltquoten derart zu manipulieren, dass sich das gegen die Reality-Kacke durchsetzt! …. los Phil! MOBILISIERE MILLIONEN!!

  8. Coco 7. Dezember 2009 um 11:44 #

    Super Idee 😉 Wir brauchen unbedingt dann aber auch so eine schwarze Kiste auf dem Fernseher…

    Das Format heisst „50 pro Semester“. Es werden Studenten begleitet, die pro Semester eine Wette am Laufen haben, 50 Frauen oder Männer rumzukriegen. Also mega Schwachsinn 😉 Am 18.Januar gehts los um 16h.

  9. philinthegap 7. Dezember 2009 um 16:15 #

    @Coco: OMG!!! Das ist ja mal die bescheuerteste Idee einer Fernsehsendung ever!!! …vorallem, wenn es um 16 Uhr läuft muss es ja Jugendfrei bleiben, und somit fällt der einzig interessante Aspekt dahinter weg. Quasi zum scheitern verurteilt 😉

    @Eisbear: Super Idee! Lass uns das Projekt ins Leben rufen! Wir brauchen einen coolen Namen, verbreiten die Idee, mobilisieren ALLE und bekommen anschließend das Bundesverdienstkreuz als „Retter der Menschheit und der Medien“! Läuft

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